Flucht vor Gewalt, Nach blutigen Unruhen fliehen tausende aus Togo
Nach Ausbruch blutiger Unruhen in Togo sind Tausende auf der Flucht. Allein bis Samstag zählten die UN mehr als 11 500 Flüchtlinge in den den Nachbarländern Ghana und Benin. Nach einer Aufforderung des Auswärtigen Amtes in Berlin verließen am Wochenende auch viele der etwa 300 Deutschen, die sich nach Schätzungen in Togo aufhalten, das westafrikanische Land. Bundesaußenminister Joschka Fischer forderte nach der Verwüstung des Goethe-Instituts durch bewaffnete Jugendliche die Regierung in Lomé auf, für ein Ende der »antideutschen Hetze« zu sorgen. Togo war von 1884 bis 1919 deutsche Kolonie.
Derweil bemüht sich eine gemeinsame Delegation der Afrikanischen Union (AU) und der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) in der Hauptstadt, zwischen der Partei des Sohnes des verstorbenen Präsidenten Gnassingbé Eyadéma, Fauré Gnassingbé, und der Opposition um Bob Akitani zu vermitteln. Die Unruhen waren ausgebrochen, nachdem Gnassingbé vergangene Woche zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt worden war und Akitani den Sieg seinerseits für sich beansprucht hatte. Die AU-ECOWAS-Delegation forderte beide auf, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden.
Bei den Unruhen in Togo sind nach unterschiedlichen Angaben bislang zwischen 20 und 100 Menschen ums Leben gekommen und dutzende verletzt worden. Am Wochenende blieb die Lage in der Hauptstadt Lomé nach Angaben von Beobachtern ruhig. Dagegen meldete das Rote Kreuz am Samstag aus dem Westen und Osten des Landes Zusammenstöße zwischen Anhängern der rivalisierenden Parteien.
Bundesaußenminister Fischer forderte die Regierung Togos auf, die »inakzeptablen Verleumdungen« gegen den deutschen Botschafter zu stoppen und den Schutz deutscher Bürger und Einrichtungen sicherzustellen. Die deutsche Botschaft in Togo war in die Kritik geraten, nachdem dort der kurz vor den Wahlen vom 24. April abgesetzte Innenminister François Boko Zuflucht gesucht hatte.
Fischer appellierte an die togoische Regierung, alles dafür zu tun, die Urheber des Überfalls auf das Goethe-Institut zu ermitteln. Bewaffnete Männer hatten am Freitag im Erdgeschoss des Gebäudes in Lomé Feuer gelegt. Der Schaden wird auf 300 000 Euro geschätzt. Eine konkrete Bedrohung der deutschen Botschaft in Lomé gebe es derzeit nicht, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin.
Die UN zeigten sich angesichts von Berichten über willkürliche Gewalt gegen Zivilisten und des dadurch ausgelösten Flüchtlingsstroms »äußerst beunruhigt«. Das UN-Flüchtlingshilfswerk und die verschiedenen anderen humanitären Agenturen der Weltorganisation arbeiteten unter Hochdruck, um die Versorgung der Flüchtlinge zu gewährleisten, erklärte UN-Nothilfekoordinator Jan Egeland. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan die Konfliktgegner aufgerufen, ihre gewaltsamen Auseinandersetzungen umgehend zu beenden.
Quelle: http://www.zeit.de
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