Geldern: Langer Weg in ein neues Leben

Flüchtlingsberatung bei der Caritas: Gerrit Hermans (r.) hilft Einwanderern. RP-Archivfoto: Gerhard Seybert
Geldern (RP) Flüchtlinge sind besonders von Armut betroffen. Wenn sie ankommen, haben sie oft wenig mehr als die Hoffnung, bleiben zu können. Familie S. aus Togo muss immer noch bangen, hat aber in Geldern “Frieden gefunden”.
Wenn Karim S. (Name von der Redaktion geändert) von seiner Heimat Togo erzählt, reißt er die Augen weit auf. Panik spricht aus seinem Blick. “Zuhause musste ich täglich um mein Leben fürchten. Meine Familie war dort nicht mehr sicher”, erzählt der 39-Jährige. Für ihn gab es deshalb nur eine Lösung: weg, und zwar schnell. Ein Cousin besorgte ihm, seiner Frau und den beiden Söhnen einen Flug nach Frankfurt. Die Familie stieg ein – und startete 2003 in ein Leben ohne Gewalt, aber mit der stetigen Angst vor Abschiebung.
In Deutschland angekommen, stellte Karim S. einen Antrag auf Asyl. Die Familie wurde nach Geldern geschickt. “Die Flüchtlinge werden nach einem bestimmten Schlüssel auf Kommunen in Deutschland verteilt”, sagt Gerrit Hermans, Flüchtlingsberater bei der Caritas und seit 2005 Betreuer der Familie S. Sie bekam einen offiziellen Bescheid, der sie in sperrigem Amtsdeutsch zur “Wohnsitznahme in Geldern verpflichtet”.
Beratung
Der Caritasverband Geldern-Kevelaer kümmert sich um Flüchtlinge und Asylbewerber. Berater Gerrit Hermans, zuständig für “Integration und Migration”, hilft bei Behördengängen und der Wohnungssuche. Er ist erreichbar bei der Caritas, Südwall 1-5, Tel. 02831 939544. Internet: www.caritas-geldern.de.
“Laut und schmutzig”
Konkret bedeutete die “Wohnsitznahme” ein kleines Zimmer im Flüchtlingsheim an der Walbecker Straße. Drei Jahre verbrachte die vierköpfige Familie dort. Wenn Karim S.’ Frau Maria von der Zeit spricht, klingt ihre Stimme leise und brüchig. “Es war sehr laut und schmutzig dort. Andere Bewohner haben Drogen genommen und Alkohol getrunken”, sagt die 37-Jährige. Die Familie lebte von 40 Euro im Monat. Arbeiten durfte Karim S. als Asylbewerber im ersten Jahr nicht. Auch einen kostenlosen Sprachkursus gibt es nur mit Aufenthaltserlaubnis. Als Geduldete führte die Familie ein provisorisches Leben: da, aber nicht richtig angekommen.
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Im Jahr 2006 fand Karim S. nach langer Suche schließlich doch eine Stelle als Feldarbeiter. Unterdessen hatte Gerrit Hermans zusammen mit der Familie durchgesetzt, dass sie in eine Privatwohnung umziehen kann, die anteilig von der Stadt finanziert wird. Grund waren Maria S.’ Depressionen, hervorgerufen durch die traumatischen Erlebnisse in Togo und das unstete Leben in Deutschland.
Heute arbeitet Karim S. in einer Gärtnerei, er zahlt Steuern und hofft darauf, dass seinem Asylantrag in diesem Jahr endlich stattgegeben wird. “Am Anfang war es sehr schwer für uns, aber wir haben hier unseren Frieden gefunden”, sagt er.
Internet Alle Folgen der Serie unter www.rp-online.de/Geldern.
Quelle:Â http://www.rp-online.de VON GESA EVERS
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