Hilfsaktion: Brillen für Togo

Mit seinem Instrumentenkoffer und Brillen im Gepäck reist Optikermeister Jörg Imgendahl nach Togo. (Bild: Privat)
Mit Kisten voller Brillen reist der Kölner Optikermeister Jörg Imgenberg regelmäßig nach Togo, um dort jenen zu helfen, die sich selbst nie eine Sehhilfe leisten könnten. Nun will er ein kleines Gesundheitszentrum vor Ort gründen.
Rodenkirchen – Ein Fernsehbericht hatte ihn stutzig gemacht. Es ging um eine Schulklasse im afrikanischen Togo, einem der ärmsten Länder der Welt. Keines der gezeigten 60 Kinder trug eine Brille. Weil Jörg Imgenberg von Natur aus neugierig und von Beruf Optikermeister ist, fragte er beim Sender „arte“ nach und bekam prompt einen Kontaktmann vermittelt. Das war vor vier Jahren. Seitdem reist der 37-Jährige einmal im Jahr nach Togo, vermisst dort die Augen, fertigt Brillen oder bringt sie aus Rodenkirchen mit. Für Imgenbergs fünfte Reise im Januar stehen schon 15 Kisten mit Verbandszeug, Medizin und Spielsachen bereit.
Mit 90 Kilogramm Gepäck, darunter wertvolle Messinstrumente, tourte er beim ersten Mal zusammen mit seinem afrikanischen Kontaktmann vom Kolpingwerk Paul Sossah durch die Dörfer. Nie hätte er sich vorher träumen lassen, dass es eine solche Armut geben könnte, sagt er heute. Die Lebenserwartung liegt bei 49 Jahren, die Kindersterblichkeit bei 14 Prozent. Unglaublich viele Menschen seien krank und verletzt kilometerweit durch den Busch gelaufen, als sie von dem „Weißen“ erfuhren, der angeblich alle Krankheiten heilen könnte. Er sei total überfordert gewesen und verzweifelt.
Einmal stand ein sechsjähriger Waisenjunge vor ihm, sein Arm war voll eitriger Wunden. Er ließ das Kind im Krankenhaus operieren, nicht wissend, wie hoch die Behandlungskosten ausfallen würden. 16,70 Euro waren dann fällig für die Operation und wochenlange Nachbehandlung. Ein Jahr später lief ihm dieser Junge freudestrahlend und gesund entgegen. „Solche Momente motivieren mich, immer weiter zu helfen“, sagt Imgenberg. Trotzdem sei der Aufenthalt stets eine hohe psychische Belastung wegen des furchtbaren Elends, das er erlebe.
„Ich habe seither 550 Brillen gemacht und angepasst“, sagt er. Alles auf eigene Rechnung. Eine Reederei aus Bremen transportiert mittlerweile sein Gepäck unentgeltlich per Schiff nach Togo. Und er hat zahlreiche Spender gefunden, etwa die Apotheke ganz in seiner Nähe an der Hauptstraße. Die Medikamente, wie Schmerzmittel und Verbandszeug, gibt er im Krankenhaus ab. Sein Plan ist es nun, ein kleines Gesundheitszentrum samt einer Brillen-Werkstatt vor Ort zu gründen. Ein Haus habe er schon in Aussicht und möglicherweise einen jungen Augenarzt aus Togo, der dort arbeiten möchte und könnte.
Voraussichtlich sechs Wochen will er diesmal bleiben, erstmals begleitet ihn seine Frau Sena. Er habe schon „Hummeln im Hintern“, weil er wieder nach Togo will, wo man ihn inzwischen kennt und mit offenen Armen empfängt. „Ich habe persönlich in meinem Leben immer viel Glück gehabt, deshalb möchte ich etwas zurück geben“, sagt Jörg Imgenberg. Während seiner Abwesenheit führen seine drei „tollen Mitarbeiterinnen“, wie er sagt, das Optikergeschäft. Er weiß aber jetzt schon, dass er wie immer in ein „Loch“ fallen wird, wenn er zurückkommt. Dann erscheinen ihm hier die Probleme so klein und so hausgemacht.
Quelle: ksta.de
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