KulturCafe: Unter der Straßenlaterne lernen fürs Abi

Bücherei Kissing Gustave Tchalla Akakpo erzählte im KulturCafé Kissing von seiner Kindheit in seinem Geburtsland Togo. Foto: Bücherei Kissing
Kissing Gustave Tchalla Akakpo ist groß, sehr dunkelhäutig und eine imposante Erscheinung. Um einen Beitrag zum Austausch der Kulturen zu leisten, erzählte er im KulturCafé Kissing von seiner Kindheit in seinem Geburtsland Togo. Sein Vater hatte zwei Frauen, seine Mutter war eine Voodoo-Dienerin und er selber wusste lange nicht genau, wann er denn geboren wurde. Alle Kinder in Togo wissen den Wochentag ihrer Geburt, aber nicht das Datum. Über die Sterbeurkunde des Großvaters ließ sich das exakte Datum herausfinden, denn beides geschah in derselben Woche – Akakpo ist demnach 61 Jahre alt.
Seinen Namen Gustave hat er sich selber ausgesucht, damals, als er beschloss sich taufen zu lassen. Als vierter Sohn seines Vaters sollte der Wirtschaftsingenieur eigentlich gar nicht zur Schule gehen, denn sein Vater hätte ihn gut auf dem Feld brauchen können. Gustave gab aber keine Ruhe und so ließ sein Vater ihn ziehen und die Grundschule absolvieren, auf der nur Französisch gesprochen wurde. Später, als er dann das Gymnasium besuchen wollte, musste er nach Lomé, die Hauptstadt Togos. Dort lebte er wie ein Bediensteter bei einem seiner vielen entfernten Onkels. Diesen musste er bedienen, das Geschirr spülen und viele weitere Tätigkeiten im Haushalt verrichten. Nebenbei sollte er sich noch auf das Gymnasium und das Abitur konzentrieren – eine sehr harte Zeit. Die schriftlichen Arbeiten erledigte er so schnell es ging bei Tageslicht, denn sein Onkel erlaubte ihm nicht das elektrische Licht zum Lernen zu nutzen. Mit seinen Büchern setzte er sich dann unter die Straßenlaterne und holte nach, was er tagsüber nicht geschafft hatte. Gustave Akakpo erzählte eindrucksvoll und so war schnell eine dreiviertel Stunde um. Auch während der Pfingstferien ist das KulturCafé in der Bahnhofstraße 69a zu den üblichen Zeiten geöffnet. (FA)
Termin Am 28. Mai gibt es „Mordsgeschichten“ von einer Kissinger Autorin und am 4. Juni werden Märchen für Kinder und Erwachsene erzählt.
Quelle.www.augsburger-allgemeine.de
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