Schon viel für Leute in Togo erreicht

Barbara und Anton Weber vom Waldstetter Schlatthof unterstützen den Verein „Hilfe für Togo“ tatkräftig. (Foto: Tom)

Barbara und Anton Weber vom Waldstetter Schlatthof unterstützen den Verein „Hilfe für Togo“ tatkräftig. (Foto: Tom)

Interview mit Anton Weber, Vorsitzender des Waldstetter Vereins „Hilfe für Togo“

Die Mitglieder des Waldstetter Vereins „Hilfe für Togo“ unterstützen verschiedene Projekte in dem afrikanischen Land. Unter anderem profitieren Kinder und Jugendliche, aber auch die Landwirtschaft. GT-Mitarbeiterin Katharina Frank sprach mit Vereinsvorsitzendem Anton Weber über die Erfolge des Vereins.

Wann waren Sie zuletzt in Togo?
Weber: Wir gehen jedes Jahr im November. Viele Auszubildende sind dann fertig, denen wir gratulieren. Die neuen Lehrlinge fangen dann an. Außerdem schauen wir nach unseren Projekten wie den Krankenhäusern, Ausbildungszentren und den Brunnen. Nach zweieinhalb Wochen ist es dann genug, es ist für uns einfach zu heiß dort.
Wie kamen Sie auf die Idee, ein Projekt für Togo ins Leben zu rufen?
Ein Bekannter von mir baute in Togo Brunnen. Er erzählte mir davon und berichtete, dass ihm noch 6000 D-Mark fehlten. Bevor ich ihm Geld gab, wollte ich mir das Brunnenprojekt vor Ort ansehen. So bin ich mit zwei Freunden nach Togo geflogen. Die Arbeiten dort unten haben mich überzeugt.
Wie helfen Sie den Menschen vor Ort?
Wir schauen uns die Projekte an, die Dorfbewohner in der Umgebung der Stadt Kpalime und Plateau de Dayes vorschlagen. Dann fahren wir Spenden wie medizinische Geräte, Schreibwaren und Werkzeug hin. Auch in der Landwirtschaft helfen wir zum Beispiel beim Pflügen oder zeigen den Lehrlingen, wie man einen Traktor fährt.
Was haben Sie auf Ihren Reisen erlebt?
Bei meinem ersten Aufenthalt habe ich direkt an der Grenze zu Ghana gewohnt. Als wir abends nach Hause kamen, war das Haus weggesprengt. Von einem Buschfeuer sind wir auch schon überrascht worden. Man kann sich nicht vorstellen, wie schnell sich so ein Feuer ausbreitet. Es kam auch schon vor, dass uns ein Container mit Hilfsgütern entführt wurde. Wir wollten ihn wieder haben, doch um ihn herum standen die Dorfbewohner mit ihren Buschmessern. Ich stieg in den Lkw und überbrückte ihn. Da hatte ich doch etwas Angst.
Wie reagieren Leute, die Togo das erste Mal besuchen?
Für viele ist es erschreckend. Daheim brauchen sie Wochen oder Monate, um das Ganze zu verarbeiten. Meine Tochter war geschockt, als sie die Armut und die schlechten Zustände der Krankenhäuser sah. Sie konnte gar nicht fassen, dass man so leben kann. Doch es erweitert auch den Horizont, man bekommt einen anderen Blick auf die Welt.
Welche Projekte haben Sie in Togo schon aufgebaut?
Durch das Handwerkszentrum ABCN haben wir Schulen gebaut, neue Tische bekommen die Schüler auch über den Verein. Mit unserer Hilfe bauen die Leute Brunnen und Staudämme. Ein wichtiges Projekt unterstützt die Landwirtschaft. Deshalb gibt’s in dieser Region überdurchschnittliche Erträge von Mais, Soja, Bohnen und Hirse. Das ist wichtig, denn die Versorgungslage ist schlecht. Auch unser Ausbildungscenter wurde vergrößert. Vier Lehrer bilden Näherinnen, Schlosser, Mechaniker und Dreher aus. Zirka 500 Azubis haben ihre Lehre schon abgeschlossen. 130 Mädchen kommen im neuen Ausbildungszentrum unter. Sie stehen manchmal mitten in der Nacht da, weil sie von daheim geflohen sind. Wir kümmern uns um deren Schul- und Ausbildung. In den vier Krankenstationen gibt’s unter anderem Vorsorgeuntersuchungen für Babys.
Wer übernimmt die Projektleitung?
Das sind Rudi Reinhold und Leon Djossou mit dem Projektteam. Leon ist Inhaber des Handwerkszentrums und Rudi lebt schon über 40 Jahre in Afrika. Er hat eine Farm auf dem Plateau de Dayes. Bei ihm übernachten wir öfters.
Sind Sie stolz auf den Verein?
Sehr stolz, natürlich. Im Radius von ungefähr 200 Kilometern ums Ausbildungszentrum bei Kpalime sieht man überall Ableger unserer Projekte. Auszubildende haben nach ihrer Lehre ein eigenes Geschäft eröffnet. Manche bilden jetzt selber aus und beschäftigen Mitarbeiter. Die Getreidefelder sind sehr beeindruckend, außerdem die Schulen. Wir forsten zudem jedes Jahr zwei Hektar Wald auf. Bisher entstanden so über 20 Hektar Wald. Alle, die für den Verein gespendet und mitgearbeitet haben, dürfen sich über die Erfolge freuen.
Quelle: http://www.gmuender-tagespost.de/507378/

© Gmünder Tagespost 30.08.2010

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