Sicherheitsdebatte vor der WM in Südafrika entflammt

Togos Fußball-Star Emmanuel Adebayor blieb nach Angaben seines Clubs unversehrt.

Togos Fußball-Star Emmanuel Adebayor blieb nach Angaben seines Clubs unversehrt.

Fünf Monate vor Beginn der ersten Weltmeisterschaft auf dem Schwarzen Kontinent hat ein Terroranschlag Afrikas Fußball bis ins Mark getroffen – und die Diskussion um die Sicherheit von Kickern und Zuschauern neu belebt.

Die togoische Regierung hat am Sonntag ein Regierungsflugzeug nach Angola geschickt, um die Spieler der Fußball- Nationalmannschaft und die übrigen Delegationsmitglieder noch am Abend nach Hause zu fliegen. Ministerpräsident Gilbert Houngbo teilte mit, angolanische Sicherheitskräfte würden die Spieler von ihrem Mannschaftsquartier zum Flughafen eskortieren. Auf Druck der togoischen Regierung sollte die Nationalmannschaft des Landes zwei Tage nach dem Feuerüberfall mit drei Toten in Angola noch am Sonntag den Afrika Cup verlassen und in die Hauptstadt Lomé zurückfliegen.
Die Spieler hatten sich am Sonntagmorgen einstimmig dafür ausgesprochen, an dem Kontinental-Turnier teilzunehmen. “Wir haben uns entschieden, etwas Gutes zu tun für das Land und zu Ehren derer zu spielen, die gestorben sind. Leider haben sich der Staatschef und die Regierung anders entschieden”, sagte Kapitän Emmanuel Adebayor bei Radio RMC. “Die Maschine des Staatspräsidenten holt uns ab. In Togo werden wir alle bei der Beisetzung der Toten dabei sein”, sagte Assimiou Touré von Bundesligist Bayer Leverkusen der “Bild”- Zeitung.
Lange Zeit herrschte nach dem verheerenden Attentat am Freitag im Grenzgebiet zwischen Kongo-Brazzaville und Angola jedoch Unklarheit, ob die Spieler Togos an diesem Montag gegen Ghana antreten würden. “Wir sind gekommen, um ein Fußball-Fest zu feiern, jetzt aber ist es, als würde man in den Krieg ziehen”, hatte Torhüter Kossi Agassa erklärt. Und auch Adabayor hatte sich zunächst klar für ein Abreise ausgesprochen. Dann aber traf sich die Mannschaft am Samstagabend und beschloss, antreten zu wollen. “Wir können die Toten und Verletzten nicht zurücklassen und davonlaufen wie Feiglinge”, sagte Profi Alaixys Romao der französischen Sporttageszeitung “L’Équipe”.
Ministerpräsident Gilbert Huongo bekräftigte aber wenig später die Position der Regierung Togos und beorderte das Team zurück. “Angola und der Afrikanische Verband CAF haben keine ausreichenden Maßnahmen getroffen, um die Sicherheit der togoischen Mannschaft zu gewährleisten”, sagte Huongbo wenige Stunden vor dem Eröffnungsspiel der Gastgeber gegen Mali am Sonntag.
Der Weltverband FIFA und die örtlichen Organisatoren hatten schon am Samstag ihre Absicht bekräftigt, das Turnier trotz der Bluttat auszutragen. “Wir hoffen, dass Fußball stärker ist als jeder Anschlag. Deshalb wird der Afrika Cup stattfinden”, sagte FIFA- Präsident Joseph Blatter im ZDF. Dass der Zwischenfall im 1000 Kilometer entfernten Angola Auswirkungen auf die WM in Südafrika haben könnte, wurde von den Organisatoren am Kap bestritten. Die Tat habe nichts mit der Lage in Südafrika zu tun, betonte WM- Kommunikationschef Rich Mkhondo. Das sei so, als ob man einen Vorfall in Tschetschenien mit der Situation in Großbritannien in Verbindung zu bringen versuchte.
Doch all diese Versicherungen konnten die Sorge um die Sicherheit während der WM nicht zerstreuen. “Ein chaotisches und lebensgefährliches Turnier weckt neue Zweifel an der Organisation einer Fußball-WM”, schrieb “Die Presse” in Österreich. Das spanische Blatt “El Mundo” sieht “31 WM-Teilnehmer – alle mit Ausnahme des Gastgeberlandes Südafrika – aufgeschreckt und in Alarmstimmung”.
Während Vereine aus England versuchen wollen, ihre Akteure schnellstmöglich aus Angola heimzuholen, herrschte beim Bundesliga-Ersten aus Leverkusen erst einmal Erleichterung. Touré überstand den Überfall unbeschadet.
Am Freitagabend war der Bus der Togoer auf der Anreise kurz nach Überqueren der angolanischen Grenze unter Beschuss genommen worden. Bei dem Anschlag wurden der Busfahrer, ein Assistenz-Trainer und der Pressesprecher des Teams getötet. Der von einer Kugel im Rücken getroffene Ersatztorwart Kodjovi Obilale hat eine Operation im Krankenhaus von Johannesburg gut überstanden und befand sich nach Angaben der behandelnden Mediziner am Sonntag weiter auf der Intensivstation. Weitere Personen wurden bei dem Angriff verletzt.
Unterdessen hat Togos Regierung von Angola und den Organisatoren des Afrika Cups eine Erklärung dafür verlangt, warum Cabinda als Austragungsort für die Spiele ausgewählt worden sei. In der Provinz kommt es seit der Unabhängigkeit der ehemaligen portugiesischen Kolonie 1975 immer wieder zu Konflikten. Togos Regierungssprecher sagte, niemand habe das Team darüber informiert, dass die Anreise nach Cabinda per Bus riskant sei. Die Organisatoren hatten zuvor die Entscheidung der Togoer kritisiert, nicht per Flugzeug aus dem Vorbereitungslager in Kongo-Brazzaville nach Angola zu kommen.

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