„Togo ist meine zweite Heimat geworden“

Magdalena Didra hat zwei Jahre lang im afrikanischen Busch gelebt. Von ihren Erlebnissen erzählt sie SÜDKURIER-Redakteurin Kirsten Schlüter beim Kaffee-Gespräch. Foto: Hanser

Magdalena Didra hat zwei Jahre lang im afrikanischen Busch gelebt. Von ihren Erlebnissen erzählt sie SÜDKURIER-Redakteurin Kirsten Schlüter beim Kaffee-Gespräch. Foto: Hanser

Seit vielen Jahren reisen Magdalena Didra und ihr Mann Jürgen nach Afrika, um zu helfen – aber auch, weil die Menschen dort sie faszinieren. Jürgen Didra ist sogar schon mit dem Fahrrad durch die Wüste nach Togo und Kamerun gefahren. Bei einem Cappuccino im Café Voglhaus erzählt Magdalena Didra von ihren Eindrücken aus Afrika.

Frau Didra, woher kommt Ihre Leidenschaft für Afrika?

Das kam durch meinen Mann. Der war schon in Marokko und Tunesien unterwegs und wollte Schwarzafrika kennenlernen. Da hat er auf die Karte geguckt und sich ein kleines Land ausgesucht – Togo. Gleich beim ersten Besuch dort hat er eine afrikanische Familie kennengelernt, mit der wir heute noch Kontakt haben.

Wie war Ihr eigener erster Eindruck von diesem Kontinent?

Heiß! Ich bin aus dem Flugzeug gestiegen, da ist mir warme Luft entgegengeschleudert. Afrika ist sehr heiß und sehr freundlich, sehr lebenslustig. Die Menschen sind einfach wunderbar.

Sie haben später zwei Jahre lang gemeinsam in Afrika gelebt. Das ist doch ein Abenteuer, oder?

Wir haben zwei Jahre in Kamerun gelebt, da waren wir beim Deutschen Entwicklungsdienst. Wir haben mitten im Urwald gewohnt. Ich habe gesagt, in den zwei Jahren möchte ich gerne alle Tiere haben, die sie dort fangen können, und sie dann später wieder freilassen. Sie haben mir Hühner gebracht, sie haben mir Hasen gebracht, sie haben mir eine Schildkröte gebracht, ich hatte ein Krokodil, einen Affen und einen Papageien. Bei dem Elefanten habe ich gestreikt. Und die Hühner, na ja, die wurden gegessen. Die haben sogar herrlich geschmeckt.

Was hat Ihnen im Busch am meisten gefehlt?

Am allermeisten, und das ist wirklich nicht geschleimt, hat mir der SÜDKURIER gefehlt. Und persönlich hat mir der Kontakt mit meinen Freundinnen gefehlt. Man hat sich nur über Briefe austauschen können.

Haben Sie nicht die ganzen Bequemlichkeiten unserer Zivilisation vermisst?

Nein. Wir hatten keinen Strom, wir hatten kein fließendes Wasser. Natürlich habe ich bewusster drauf geachtet, als ich nach Hause kam und das Licht angemacht habe. Ich hatte einen Schalter, knips, Licht geht an. Dann habe ich mich immer gefragt: Warum sind die Menschen hier so unzufrieden? Die haben doch alles.

Warum sind die Menschen dort so zufrieden, obwohl es ihnen zum Teil nicht so wahnsinnig gut geht?

Ich habe den ganz starken Eindruck, dass die Menschen im Hier und Jetzt leben. Sie haben kein Sparbuch, sie haben keinen Verdienst, auf den sie sich verlassen können. Aber wenn sie mal ein bisschen was haben, dann wird ein Fest gefeiert. Wenn es mir morgen schlecht geht, dann ist es so.

Die Gemeinschaft ist wahrscheinlich noch viel stärker als bei uns.

Das Familienleben, natürlich. Das ist auch bei unserer befreundeten Familie in Togo so. Das Wort „alleine“ bedeutet für sie gar nichts. Wenn wir abends mal alleine sein wollten, dann haben wir oft gesagt, wir haben Kopfweh, weil sie das sonst nicht verstanden haben. Allein? Dann wollten sie uns trösten: Das ist aber ganz traurig, dass du alleine sein willst, Magdalena, da muss ich etwas für dich tun.

Haben Sie Sehnsucht nach Afrika?

Auf jeden Fall. Wenn alles klappt, fliegen wir im November wieder für ein paar Wochen nach Togo. Das ist schon eine zweite Heimat geworden.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Hilfe nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist?

Für uns ist es eine sehr große Zufriedenheit. Insgesamt ist es schon ein Tropfen auf den heißen Stein, ganz klar. Aber wir haben etwas bewirkt. Das machen wir nicht, damit wir später in den Himmel kommen, sondern aus Überzeugung. Es ist das Herz, das gibt. Die Hände geben nur her.

Fragen: Kirsten Schlüter

Quelle: http://www.suedkurier.de

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