Togo: Die Vorkoloniale Geschichte
Archäologische Funde belegen, dass Teile von Togo schon vor über 3000 Jahren besiedelt waren. Erst relativ spät, gegen Ende des 17. Jhs. entstanden auf dem Gebiet des heutigen Staates ein paar kleine regionale Reiche, wie das “Königreich” der Guin (Glidji/Aného), das Tschaoudjo-Reich der Tem (Kparatao/Sokodé) und das Reich der Anoufo von Sansanné-Mango. Sie lagen in einer Pufferzone zwischen den mächtigen Königreichen der Ashanti, der Mossi und von Dahomé.
Viele der heute in Togo ansässigen Völker und Volksgruppen sind in den vergangenen Jahrhunderten aus verschiedenen Nachbarregionen in das heutige Territorium eingewandert. Die Ewé kamen aus der Region von Oyo im heutigen Nigeria über die historischen Stationen Ketou (Bénin), Tado, Notsé, um sich dann zwischen den Flüssen Volta und Mono anzusiedeln. Die Fante und Ga (Mina/Guin) kamen aus dem heutigen Ghana, die Tem aus Burkina Faso u. a. Sahelländern, die Anoufo aus der Elfenbeinküste.
Ab 1471 landeten portugiesische Seefahrer, später auch andere Europäer an der Küste Oberguineas und der Handel zwischen Westafrika und Europa nahm seinen Anfang, der im transatlantischen Sklavenhandel einen traurigen Höhepunkt finden sollte.
Seitdem war die Küste Togos als Beginn der sogenannten Sklavenküste bekannt, weil sie Europäern als Quelle für schwarzafrikanische Sklaven diente. Das Gebiet erstreckte sich von der Voltamündung bis zum Nigerdelta. Die Kleinstaaten des Südens beteiligten sich am Sklavenhandel mit den Europäern und profitierten so davon. Die Völkerschaften des bergigen, mittleren Togos dagegen musste sich immer wieder den Attacken der Sklavenjäger entziehen.
Der einzige Handelsplatz zu jener Zeit war Popovi (Kleinpopo, 1905 in Anecho umbenannt). Die aus Elmina zugewanderten afrikanischen Händler zeichneten sich nicht nur durch den Besitz von Feuerwaffen aus (deshalb Poupou = Bumbum), sie waren auch im Umgang mit Europäern erfahrene Händler. Die europäischen Sklavenkäufer zogen deshalb von Popovi nach Ouidah weiter, wo sie die dortigen unerfahrenen Afrikaner im Handel leichter übervorteilen konnten. Von Ouidah, dem Hafen des Reiches Dahomey, exportierten sie Menschen nach Amerika en gros; in Popovi kauften Europäer nach ihren individuellen Wünschen Menschen bestimmten Alters und Geschlechts, die ihnen die afrikanischen Zwischenhändler in Popovi im “stillen Sklavenhandel” aus dem Landesinnern beschafften. 1807 verbot die britische Regierung den transatlantischen Sklavenhandel. Aber da die Sklaverei in Amerika noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fortbestand, wurden weiterhin Menschen – nunmehr illegal – dorthin verschifft. 1835 wurde an der Togoküste der zweite Platz des atlantischen Handels gegründet: Porto Seguro (heute Agbodrafo) mit den fünf Ursprungsdörfern auf dem Plateau über der Lagune, das so den Sammelnamen Togo erhielt.
Wiederum im Gegensatz zu den Küsten westlich und östlich des heutigen Togo kam es aber bis 1884 aufgrund der ungünstigen natürlichen Gegebenheiten nicht zur Gründung europäischer Stützpunkte und nur der Ort Aného erlangte eine bescheidene Bedeutung als Handelsplatz an der Küste. Ein Umstand, der für die Entstehung des modernen Togo letztlich verantwortlich war: Die Küste Togos war der Ende des 19. Jahrhunderts noch von europäischer Einflussnahme frei gebliebene Teil der westafrikanischen Küste.
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