Wangen trauert mit Togo
Wangen (ddp-bwb). In Togo herrscht Staatstrauer wegen des Terroranschlags auf die Busse der Fußball-Nationalmannschaft mit Todesopfern. Knapp 5000 Kilometer entfernt, in Wangen im württembergischen Allgäu, hat die Nachricht ebenfalls für Bestürzung gesorgt. Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland unterhält Wangen intensive Beziehungen mit Togo. Die Fußballnationalmannschaft des afrikanischen Landes hatte damals in Wangen ihr Basislager. In den Wochen ihres Aufenthalts entstanden enge Freundschaften.
«Wir haben sofort Kontakt mit unseren Freunden in Togo aufgenommen», sagt Hermann Selbherr. Er ist mit vielen anderen Wangenern aktiv in der «Togohilfe Wangen». Er war zu WM-Zeiten Vorstandsmitglied und Afrikabeauftragter des DFB und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Nationalmannschaft von Togo bei in Wangen Quartier nahm und dort ihre öffentlichen Vorbereitungsspiele austrug.
«Togo lebt seither in Wangen weiter», versichert er. Die Kontakte rissen nie ab, allein bei Vorbereitungsspielen mit den Togo-Nationalkickern wurden 50 000 Euro für den guten Zweck eingespielt – investiert in eine Schule im Norden Togos. Ein Sportplatz wurde in der Stadt Bassar gebaut und zwischen der Schule dort und der Friedrich-Schiedel-Schule in Wangen gibt es inzwischen gar eine offizielle Partnerschaft. Wangener Schüler haben in gleich zehn Klassen erst vor kurzem Geld gesammelt – Schulgeld für einen Schüler in Togo.
Derzeit machen außerdem eine Krankenschwester, zwei Mechatroniker und eine Restaurantfachfrau aus Togo in Wangen ihre Ausbildung. Und beim FC Wangen kickt ein Fußballer der Togoer U-17-Nationialmannschaft. «Er hat erheblichen Anteil daran, dass wir derzeit Tabellenführer in der Landesliga sind», freut sich Hermann Selbherr.
Vor Weihnachten wurden zehn Tonnen wertvoller Gegenstände nach Afrika geschickt. Darunter waren Computer, Schultische und sogar eine Fotovoltaikanlage im Wert von 20 000 Euro, gespendet von einer Wangener Solarfirma.
Auch Oberbürgermeister Michael Lang (parteilos) ist schockiert von dem Anschlag. Er will nun in einem Schreiben die Anteilnahme von Wangen zum Ausdruck bringen und sagt: «Da wird einem erst bewusst, wie glücklich wir sein können, dass die WM bei uns nicht von so einem Anschlag überschattet war.»
Viel wird derzeit in Wangen über den Anschlag auf die Fußball-Nationalmannschaft von Togo diskutiert. Hermann Selbherr wartete am Montag sehnsüchtig auf einen Anruf eines guten Bekannten, der den togoischen Staatspräsidenten an den Ort des Anschlags begleitet hat und der ihm versprochen hatte, ihn nach seiner Rückkehr gleich zu kontaktieren.
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